28. November 2019 6 Kommentare KolumnenAllgemein

Ein seltsamer Ort mit tollen Leuten – im wahrsten Sinne?

Online treffen wir täglich auf verschiedenste Gesichter. Habbo ist ein “seltsamer Ort mit tollen Leuten” – zumindest in den Worten von Sulake. Viele von euch werden dem nicht ganz abwegig entgegenstehen – denn seltsam sind die ein oder anderen unserer Onlinekontakte durchaus. In der Habboszene treffen jung und alt, links und rechts, Ost und West, gesund und krank, Akademiker und Sonderschüler, Christen, Juden und Muslime, vernünftig und pervers, aber auch hetero- und homosexuelle an einem einzigen Ort zusammen. Dadurch entstehen verrückte Bekanntschaften. Manche nennen sie Freunde fürs Leben; andere können nur den Kopf schütteln: Und sind froh, wenn sie ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände gefunden haben.

Der Freundeskreis in der Szene

Und doch sagt der Freundeskreis in der Szene viel darüber aus, wer man ist. Oder wer man zumindest glaubt zu sein. Denn online treffen wir skurriler Weise auf ganz eigene Persönlichkeiten, die in unserer reales soziales Umfeld gar nicht so Recht passen würden. Die Kontakte, die man über die Zeit über die Habboszene sammelt, können sich möglicherweise zu Freunden entwickeln. Dennoch sind sich die meisten zumindest darüber einig, dass sie in eine Sonderkategorie unter dem Überbegriff der Freunde fallen. Habbo Freunde und echte Freunde gleichsetzen – das soll gehen? Das wage ich zu bezweifeln, aus diversen Gründen. Während man sich seine echten Freunde nicht ganz unerheblich nach Sympathiewerten aussucht, ist es in der Habboszene eher die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Hotel, zu einem Team oder Projekt. So entwickeln sich Kontakte, die man irgendwann auf ein Art und Weise zu schätzen weiß. Oder eben auch nicht.

Wie sympathisch ich den Menschen hinter dem Bildschirm am anderen Ende der Leitung finde, darüber ist wenig gesagt. Sympathisch schreiben kann jeder, der ein souveränes Auftreten zu Tage legt. Wirklich sympathisch sein wird schon schwieriger – denn richtig nachvollziehen kann man das über einen Chat überhaupt nicht. Das ist auch der Grund, warum es beispielsweise Pädophile gerade in der Anonymität des Geschriebenen leicht haben, Vertrauen zu ihren Opfern aufzubauen. Immer und immer wieder. Sympathie ist eine Art der Intimsphäre, die man mit bloßem Schreiben in einem Chat nie und nimmer wahr nachempfinden werden kann. Wer am anderen Ende der Leitung sitzt, ist für uns nicht wirklich transparent. Und so kommt es, dass wir online mit ganz verschiedenen Leuten zutun haben. In der Realität zwar auch – doch dort haben wir noch mehr oder weniger die Wahl, wie nah wir eine anfangs fremde Person an uns ran lassen wollen, oder ob wir auf Distanz gehen. Wir können anhand ihres Verhaltens, ihrer Äußerungen, besser einschätzen, wie sie tickt. Online geht das zunächst nur bedingt – denn man zeigt natürlich nur das, was man von sich zeigen und preisgeben will.

Dass sich das reale und virtuelle Freundesumfeld massiv entgegenstehen, merkt man spätestens dann, wenn man im Onlinekontakt ein wenig persönlicher wird, und nach den Geschichten und Einstellungen zum Leben fragt. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Nicht selten wird man hier mit den Themen Homosexualität, Bisexualität, Transgender, Depressionen oder sonstigen physischen Erkrankungen konfrontiert. Aber nicht nur das: Es stellt sich heraus, dass ich diesen Menschen, so wie er sich beschreibt und herausstellt zu sein, nie und nimmer in echt treffen würde, geschweige ihn zu meinem Freund erklären würde. Nicht, weil ich ihn nicht mag, oder nicht verstehe, sondern weil es einfach überhaupt nicht zu dem herkömmlichen sozialen Umfeld passt, mit dem ich zutun habe. Die Leute gehen im Bezug auf ihre Probleme online offener um, als in ihrem echten, realen Umfeld. Die Anonymität des Internets verhilft, sich anders darzustellen: Nämlich so, wie man möchte. Über Konsequenzen wie Ausgrenzung oder Abstoßung hat man seltener zu fürchten – Was soll schon passieren?

So kommt es, dass Habbo für viele nicht nur ein Ort ist, um Raritäten zu sammeln, an Events teilzunehmen oder um Spaß zu haben. Man trifft auf Leute, die es im echten Leben nicht unbedingt ganz einfach haben. Die mit ihrem realen Dasein vielleicht unzufriedener sind als andere oder das Gefühl haben, online besser verstanden zu werden. Ihr Umgang mit diesen Erfahrungen und Geschichten macht sie anders als unsere realen Kontakte. Es ist eben auch eine Art Zufluchtsort für gerade diese seltsamen Menschen – denn laut Duden ist seltsam der, der “vom Üblichen abweicht“. Wenn dann der Slogan des Hotels – ein seltsamer Ort mit tollen Leuten – lautet, stellt sich nach genauerer Überlegung die berechtigte Frage, ob das im Umkehrschluss nicht auch bedeutet: Bin ich seltsam oder anders, weil ich Habbo spiele? Möglicherweise.

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sveniApache2004RRRRWayne0815Jusuf Letzte Kommentartoren
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Maiken
Gast
Maiken

ehm okö lol

RRRR
Gast
RRRR

chill dein leben und nimm anti depressiva

Apache2004
Gast
Apache2004

ich frag mich echt was ein psychopat der redakteur ist noch so kreativ über die Szene zu schreiben..

sveni
Gast
sveni

true story, kommt mal auf euer habboleben klar ihr kiddies

Jusuf
Gast
Jusuf

Ich finde solche allgemeinen Artikel auch mal toll.

Wayne0815
Gast
Wayne0815

Wie kommt ihr auf diesen philosophischen Durchfall?

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