Medien beeinflussen unser Leben. Wie wir mediale Berichterstattung wahrnehmen, hat entscheidenden Einfluss auf unsere Meinungsbildung. Nicht umsonst spricht man nicht selten von einer Art vierten Gewalt, die von der Presse ausgeht. Zwar können Medien keine Gesetze erlassen, Minister wählen oder Strafen verhängen. Doch mit ihrem Einfluss auf die Gesellschaft können sie die Meinungs- und Willensbildung der Bevölkerung enorm lenken. In Demokratien erfüllen Medien grundlegende Funktionen: Sie sollen das Volk informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen.

Demokratie braucht Qualitätsjournalismus

Die Macht, die von Medien ausgeht, ist nicht ganz unerheblich. Es genügt das Weglassen einer Kleinigkeit, um ein Ereignis ganz anders aussehen zu lassen, als es sich wirklich zugetragen hat. Dabei haben Medien als Vermittler von vertrauenswürdigen Informationen und Nachrichten normalerweise eine seriöse Stellung in der Gesellschaft. Blöd nur, wenn sie diese Stellung ausnutzen, um Massen zu bewegen, um Propaganda zu betreiben oder gegen eine bestimmte Sache zu hetzen. Solche Entwicklungen sind Grund dafür, warum Medien zuletzt um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen müssen und nicht selten sogar als Lügenpresse denunziert werden.

RetroTimes ist schon lange kein normales Nachrichtenblatt mehr

Gerechtigkeit? Rechte? Regeln und eine Justiz, die Regelbrüche ahndet? So etwas gibt es in der Retroszene nicht. Die Szene ist ein rechtsfreier, schrankenloser Raum. Theoretisch kann tun und lassen was er will, ohne für sein Fehlverhalten bestraft zu werden. Fehlverhalten – was ist das überhaupt, und wer soll bitte definieren können, was in der Szene erlaubt ist und was nicht?

Wir haben es oben bereits erörtert: Medien haben Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Ereignissen, indem sie die Informationen steuern, welche die Leser bekommen. Eine Demokratie lebt von der Medienvielfalt, von einer Landschaft vieler Medienhäuser, die kontrovers, unterschiedlich und vielfältig berichten. Beziehen wir dieses Konstrukt auf die Retroszene, gibt es nur ein Medium, eine Presse, die unsere Informationsaufnahme alleine steuert. Man könnte meinen, RetroTimes habe in diesem Bereich ein Monopol. Ein äußert bedeutendes Monopol – denn auf Medien kommt auch eine weitere Funktion zu: Sie sollen kritisieren, Skandale aufdecken und über Missstände aufklären. Mit der Zunahme von Skandalen, die durch RetroTimes aufgedeckt oder ans Licht gebracht werden, geht auch ein Wandel in der Bedeutung von RetroTimes für die Szene einher. Denn auch zwischen der normalen “Tagesschau”, die sachlich fundiert nur Ereignisse aufzählt, und einem Magazin wie beispielsweise “Frontal 21” herrschen gravierende Unterschiede. RetroTimes hat sich im Laufe der Jahre eher zu letzterem entwickelt.

RetroTimes – Das Spielbrett in der Mitte von Konflikten

Zugegeben, als RetroTimes vor über acht Jahren das Licht der Welt erblickte, war die Seite weitestgehend auf Reproduktion und Wiedergabe der neusten Ereignisse ausgerichtet. Wir berichteten über technische Neuheiten, neue Features und relevante Informationen für die Szene. Doch im Laufe der Jahre haben sich zunehmend neue Zweige der Berichterstattung entwickelt. Statt nur noch über neue Themen zu berichten, sieht sich RetroTimes mittlerweile viel mehr in eine Art Position gerückt, die der eines internationalen Gerichthofs gleicht. Damit kommt RetroTimes eine gänzlich neue Aufgabe zu, der sie absolut nicht gewachsen ist und auch nie sein kann.

Die Gesellschaft der Retroszene ist ein Konstrukt von Individuen, die nach Vergeltung, Vergebung, Rache und Schadenfreude suchen. Uns erreichen täglich Meldungen zahlreicher User, die uns einen Misstand regelrecht anzeigen, den wir doch bitte weiter verfolgen, aufklären und durch unsere Berichterstattung ahnden sollen. Zwar würde RetroTimes nichts anderes tun, als über aufkommende Gerüchte oder Misstände zu berichten, doch sehen viele User darin “Genugtuung” und setzen einen Artikel von RetroTimes einem szenenweit anerkannten, ausgesprochenen Urteil gleich. Immer wieder werden eigentlich private, irrelevante Konflikte oder Streitigkeiten so weit eskaliert, dass sie an RetroTimes, also sinnbildlich vor Gericht, gemeldet werden, damit wir mit Hilfe eines Artikels aufräumen. Diese Entwicklung ist insoweit bedenklich, dass RetroTimes sich selbst im Konflikt der Parteien auch nur als eine eigene Partei für sich sieht.

Die gebündelte Macht – Ein Monopol birgt Risiken

Doch Vorsicht – Ein Monopol verheißt nie etwas gutes. Es birgt Risiken. Wer stellt sicher, dass RetroTimes, wie es vorgibt, eine verlässliche und seriöse Quelle bleibt? Und genau da liegt das Problem: Uns ist klar, dass wir nie und nimmer den Ansprüchen und Anforderungen aller Parteien in der Retroszene gerecht werden können. Das zu versuchen kostet uns zuletzt unsere Glaubwürdigkeit – und im schlimmsten Fall werden wir sogar als Lügenpresse denunziert. Doch dabei sei gesagt: Zu behaupten, RetroTimes sei Lügenpresse, ist in einer Szene, in der es faktisch nur eine einzige Presse gibt, gar nicht mal so abwegig und verkehrt. Denn es gibt immer mehr Wahrheiten, mehr Hintergründe und mehr Entwicklungen, als wir in einem einzigen Artikel jemals darstellen und anhören könnten. Doch das ist nicht mal das, wofür RetroTimes vor acht Jahren gegründet wurde. Uns interessiert es nicht, Gerechtigkeit walten zu lassen, Urteile zu fällen oder Konflikte zwischen Hotel oder User A und B zu klären – wir übernehmen die Aufgabe der vierten Gewalt in ihrer traditionellen, herkömmlichen Form: Wir berichten so kontrovers und differenziert wie nur möglich.

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