Viele wissen, dass RetroTimes sich schon länger als ein halbes Jahrzehnt über Wasser gehalten hat. Unsere Nachrichten waren dabei immer das Augenmerk unserer Redaktion und haben unserern Erfolg in den letzten Jahren gekrönt. Im Grunde ist RetroTimes jedoch ein Produkt seiner Zeit – im Jahre 2011 eröffnet, fand es seinen Höhepunkt schließlich auch dann, wenn die Retroszene ihren Höhepunkt fand. Dieser Höhepunkt liegt mittlerweile weit in Vergangenheit, die goldenen Zeiten sind vorüber, die Retro- und Habboszene entwickelt sich schon seit mindestens 3 Jahren steil abwärts. Doch was hat das mit den Nachrichten oder Aktualität auf RetroTimes zutun?

Als ich RetroTimes gegründet hab, damals noch mit PinkFruit, dem ehemaligen RetroTown Administrator zusammen, war ich nicht viel älter als ein dreizehnjähriger Teenager. PinkFruit selbst dürfte nicht viel älter gewesen sein: Damit passten wir so ziemlich ganz  genau in die von Habbo vorgesehene Zielgruppe. Und tatsächlich faszinierte mich die Online Community, das Interesse für Retro Hotels war größer denn je. Die Community interessierte sich für neue, aufregende Retro-Projekte, welche ihren Platz in der Retroszene einnahmen. RetroCentral, RetroNews oder RetroPresse sind nur wenige derer, welche von der Blühtezeit der Retroszene profitieren konnten. Und jetzt? Neben RetroTown, das sich auch nur noch gerade noch so über Wasser hält, und der gutbewährten Retroliste HabboW, gibt es so gut wie keine nennenswerten Fanseiten mehr für die Retroszene. Die Anzahl der Retro Hotels, die über eine Spielerzahl von 100 kommen, ist überschaubar geworden und auch das Interesse an Newcomer lässt stark nach.

In der Realität sieht das ganze dann etwa so aus: Die Generation, die diese Fanseite geprägt hat, steckt mittlerweile in der Ausbildung, mitten oder kurz vor dem zukunftsweisenden Studium oder hat bereits eine Festanstellung in einem Unternehmen. Dinge, die viel Zeit und vor allem Zuwendung verlangen. Ihr fragt euch oft, warum es mittlerweile kaum noch Artikel auf RetroTimes gibt. Auf der anderen Seite werden wir wiederum kritisiert, weil unsere Beiträge oft nicht tief genug recherchiert werden. Offen und ehrlich: Ja, das mag manchmal sein. Der Grund ist recht simpel: Lesen ist einfach. Etwas zu schreiben, was gut lesbar ist und ein Thema journalistisch so behandelt, dass es jeder versteht, ist umso schwieriger. Das glaubt ihr nicht? Dann kann ich euch nur dazu raten, es selbst auszuprobieren: Verfasst zu einem beliebigen Thema der Retroszene einen journalistisch detailliert aufgearbeiteten Text. Dann seht ihr schon, was ich meine. Da ist es erstmal irrelevant, ob es nur ein Hobbyprojekt oder etwas ernstes ist: Schreiben bleibt Schreiben. Man sagt, Schreiben ist ein Handwerk, was man über Wochen und Monate hinweg üben muss. Ich persönlich habe diese Erfahrung seit 2011 gemacht – das trifft auf die wenigsten der derzeit noch aktiven Redakteure zu, denn auch sie sind nicht aus dem Himmel gefallen.

Kommen die Artikel später, wird gemeckert, wir wären nicht aktuell genug. Kommen zu wenig Artikel pro Woche, wird auch gemeckert. Ja, schön. Aber wie soll man es den Lesern recht machen? Versteht mich nicht falsch, ich schreibe gerne, genau so wie das Team meiner Redakteure – aus diesem Grund gibt es RetroTimes noch. Das Problem ist nur: Ein gut recherchierter Beitrag kostet Zeit. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Um genau zu sein, kostet es extrem viel Zeit, gerade heutzutage, wo Informationen nicht mehr gebündelt, sondern nur noch einzeln hier und da zu finden sind. Einzelne Retro Hotels bauen unserer Redaktion mittlerweile absichtlich Hürden in den Weg, damit wir ja nichts negatives über sie finden oder berichten können. Das erschwert die Sache um einiges. Für einen einzelnen Artikel gehen jeweils einige Tage oder sogar ein ganzes Wochenende drauf. Und dann? Dann freue ich mich über den schönen Text – und das war’s auch. Für die aufgebrachte Zeit, die ich vielleicht hätte lieber in das Lernen für die nächste Uniklausur oder für das Treffen mit Freunden investieren sollen, gibt es im Grunde keine Gegenleistung. Mit RetroTimes habe ich seit Eröffnung vor 7 Jahren keine nennenswert hohe Umsätze, die den zweistelligen Bereich überschreiten würden, erzielt. Im Gegenteil stellt sich das das Problem: Der Server kostet Geld. Eine Möglichkeit der Vermarktung blieb für RetroTimes schon immer gänzlich ausgeschlossen – Google AdSensehat uns bereits im Frühjahr 2014 verbannt, Facebook hat unsere URL als Schädlich gefiltert, für andere Werbenetzwerke ist unser Traffic nicht attraktiv genug, Partnerschaften werden heutzutage kaum geschlossen. Und irgendwie muss ich mein Leben auch finanzieren. Zurecht entscheidet man sich da für einen bezahlten Artikel auf anderen journalistischen Portalen oder für einen Nebenjob, als dass man seine Zeit in einen Artikel über die Retroszene widmet, von dem sich der Kühlschrank letzten Endes auch nicht füllt. Nein, manchmal fehlt sogar ein Dankeschön der Community.  

Wir hatten viele exklusive Kolumnen, Interviewreihen und tief recherchierte Beiträge. Doch das war, als ich mich noch selbst für Habbo interessierte und es aktive Redakteure gab. Gerade die exklusiven Berichte kosten einen immens viel Zeit – und wenn man mal eine Kleinigkeit verdreht, nicht beachtet, oder vergisst zu erwähnen, heißt es sofort: Was kann RetroTimes eigentlich? Möglich, dass eure Kritik berechtigt ist, Kritik gehört zum Geschäft und verbessert es: Aber dann sollte man in Zukunft vielleicht nur einmal einen Gedanken daran verschwenden, dass RetroTimes für uns alle nur als Hobby begonnen hat. Wir schreiben das Jahr 2018 und die Prioritäten der Generation, mit der RetroTimes großgeworden ist, haben sich grundlegend verändert. Kaum noch einer von uns im Team ist aktives Mitglied in einem Retro Hotel – wir gehen anderen, wichtigeren Dingen nach. Ausbildung, Familie, Jobs, andere Projekte. Das Ding ist, dass es auch berechtigt und gut so ist. Da kann es mal vorkommen, dass wir für einen Artikel eben nur einige Stunden am Abend die Zeit finden, oder uns Sonntag abends im Discord zusammensetzen, wenn ausnahmsweise mal jeder zuhause ist. Man könnte auch auf andere Lösungen setzen: Mehr Artikel veröffentlichen, aber dafür kaum in die Tiefe gehen. Doch wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir bei RetroTimes immer den qualitativen Standard im Vordergrund behalten wollen. Ja, das geht möglicherweise auf Kosten der Quantität.

In dieser Hinsicht wären wir auf die Hilfe der Community angewiesen – über HinweiseInformationen oder Spenden. Das passiert leider in den seltensten Fällen. Sicherlich ist euch schon aufgefallen, dass ihr mit einem AdBlocker auf RetroTimes nicht weit kommt. Und das, obwohl RetroTimes eigentlich gar keine Werbung schaltet. Uns geht es hier viel mehr ums Prinzip: Wenn ihr etwas von uns wollt, dann erwarten wir grundsätzlich die Bereitschaft, dass ihr uns etwas zurückgeben wollt. Damit meine ich nicht Geld. Es ist schlicht ein Zeichen des Respekts. Es ist eine Aufforderung, dass wir weiter machen sollen. Dass ihr das, was wir ehrenamtlich tun, zu schätzen wisst. Geben und Nehmen: Es wäre eine Motivation. Obgleich so ein Blog von den Beiträgen und seiner Community lebt, geht das Leben trotzdem weiter. RetroTimes hat seine besten Jahre hinter sich. Es war eine schöne, sehr schöne Zeit, die es Wert ist, erzählt zu werden. Gerade dafür gibt es noch die etlichen Artikel in unserem Archiv, auf die wir stolz sind. HabboTimes, die wohl erfolgreichste Fanseite der Habboszene und gleichzeitig unsere Inspiration für dieses Projekt, hat die Entwicklung der Habboszene bereits vor über 5 Jahren erkannt und sehr schöne Worte getroffen.

We stand for a time when Habbo had loads of fans. For a time when Habbo was a lifely community. For a time when there were things to explore and experience in Habbo. For a time that is over. […] Everyone has time. Some more, some less. You cannot know what applies to you. Companies will often ask for your time. They will give you good suggestions how to spend your time. But it’s you who decides how to spend your time. You are responsible, because you can take your time in your own hands. You can make it to a great time. Close your eyes and keep your ears shut. What do you want? Do it. Use your time. It is the most valuable thing you have.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Eindruck dessen vermitteln, warum in letzter Zeit immer seltener Artikel veröffentlicht werden. Wahrscheinlich habe ich nur einen Bruchteil der Faktoren erwähnt, aber es sei auch gesagt, dass wir immer noch unser bestes geben, euch nach wie vor über Neuigkeiten in der Retroszene aktuell zu halten. Doch mit der Zeit hat sich nicht nur RetroTimes verändert, sondern auch das Interesse unserer Zielgruppe – was wegen der steil abwärts verlaufenden Entwicklung der Retroszene kein all zu großes Wunder ist. Wir haben erkannt, dass anlässlich der schwankenden Aktivität und des szenenweit stark fallenden Interesses an News über Retros, sich Zeiten ändern. Mittlerweile haben wir uns viel mehr zu einer eigenen Community entwickelt, die auch abseits der Newsartikel einen Treffpunkt für Interessierte der Retroszene bietet. Aus diesem Grund kann ich euch nur empfehlen, auf unseren Discordserver beizutreten, wo wir euch noch aktueller halten können. Übrigens könnt ihr uns hier Themen einsenden, über die es sich zu berichten lohnt. Wir freuen uns genau so sehr über Spenden, über Kritik, über Feedback oder neue Ideen.

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